Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.
Wir müssen die Neugier auf den anderen behalten, das Interesse am anderen, die Offenheit für das, was uns fremd ist, und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Hintergrund & Bedeutung
Angela Merkel formulierte diese Worte im Jahr 2015 anlässlich der Verleihung des Abraham-Geiger-Preises in Berlin. Der zeitliche Rahmen war geprägt von der sogenannten Flüchtlingskrise, in der Deutschland und Europa vor der Herausforderung standen, hunderttausende schutzsuchende Menschen aufzunehmen. In dieser Phase gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Vorbehalte gegenüber dem Unbekannten plädierte die damalige Bundeskanzlerin für eine Haltung der Empathie. Die Rede fand in einem jüdischen Kontext statt, was die historische Verantwortung Deutschlands und die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs zusätzlich unterstrich. Die Kernbotschaft zielt auf eine aktive geistige Grundhaltung ab: Integration und friedliches Zusammenleben werden hier nicht als bloße Duldung, sondern als proaktiver Prozess verstanden. Merkel rückt die Neugier und die Lernbereitschaft ins Zentrum, um Fremdheit nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Horizonterweiterung zu begreifen. Dies spiegelt ihren rationalen, aber werteorientierten Politikstil wider, der oft auf Ausgleich und das Finden gemeinsamer Nenner setzte. Es ist ein Appell gegen die intellektuelle Abschottung und für eine liberale, offene Gesellschaftsordnung. Heute wird die Aussage regelmäßig in Debatten über Multikulturalismus, Bildung und internationale Diplomatie herangezogen. Sie dient als moralischer Kompass in Zeiten zunehmenden Populismus und wird oft zitiert, um an die humanistischen Grundwerte der Aufklärung zu erinnern. In der politischen Bildung und in Integrationsdiskursen fungiert das Zitat als Leitmotiv für eine gelingende Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen und Lebensentwürfen.
