Man muss ins Wasser gehen, um schwimmen zu lernen.
Wir müssen lernen, die Dinge von allen Seiten zu betrachten, nicht nur von einer Seite, denn das Leben ist komplex und ständig in Bewegung.
Hintergrund & Bedeutung
Mao Zedong formulierte diese Gedanken im Februar 1957 während einer Phase relativer politischer Öffnung in der Volksrepublik China, die als Hundert-Blumen-Kampagne bekannt wurde. Nach dem Tod Stalins und der einsetzenden Entstalinisierung in der Sowjetunion suchte Mao nach einem spezifisch chinesischen Weg des Sozialismus, der interne gesellschaftliche Spannungen konstruktiv integrieren sollte. Die Rede „Über die richtige Behandlung von Widersprüchen im Volk“ zielte darauf ab, ideologische Differenzen durch Diskussion statt durch Gewalt zu lösen, bevor die politische Linie kurz darauf wieder in repressive Maßnahmen umschlug. Kern der Aussage ist die Anwendung der marxistischen Dialektik auf die Lebensrealität. Mao postuliert, dass Widersprüche die treibende Kraft jeder Entwicklung sind und Stillstand eine Illusion darstellt. Die Forderung, Dinge von allen Seiten zu betrachten, ist dabei weniger als Pluralismus im westlichen Sinne zu verstehen, sondern als strategische Notwendigkeit, die Komplexität der materiellen Welt zu erfassen, um sie im Sinne der Revolution transformieren zu können. Es spiegelt seine Überzeugung wider, dass nur eine ganzheitliche, dynamische Analyse den Erfolg politischer Praxis sichert. Heute wird das Zitat oft losgelöst von seinem maoistischen Ursprung als zeitlose Lebensweisheit rezipiert. In der modernen Managementlehre, der Systemtheorie und der Alltagsphilosophie dient es als Mahnung gegen Dogmatismus und eindimensionales Denken. Seine anhaltende Popularität verdankt es der universellen Erkenntnis, dass starre Perspektiven der ständigen Veränderung der globalisierten Welt nicht gerecht werden können.
