Die Gerechtigkeit ist eine rechte Gesinnung des Willens, welche den Menschen in allen seinen Handlungen und in jedem Augenblick dazu bewegt, jedem das Seine zu geben.
Dichter Dante Alighieri, Convivio, IV, 17
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Hintergrund & Bedeutung

Dante Alighieri verfasste das unvollendete philosophische Traktat „Convivio“ (Das Gastmahl) zwischen 1304 und 1307, während der ersten Jahre seines schmerzhaften Exils aus Florenz. In einer Zeit politischer Instabilität und persönlicher Entwurzelung suchte er nach einer moralischen Ordnung, die über das bloße Machtstreben hinausgeht. Das Werk war als volkssprachliche Enzyklopädie konzipiert, um auch jenen Zugang zu Weisheit zu ermöglichen, die kein Latein beherrschten. Die Definition der Gerechtigkeit steht im vierten Buch, in dem Dante das Wesen des Adels und der Tugend untersucht und dabei die aristotelisch-scholastische Philosophie mit seinen eigenen Erfahrungen als politisch Verfolgter verknüpft.

Die Aussage definiert Gerechtigkeit nicht als äußeres Gesetz, sondern als eine innere, beständige Qualität des Charakters. Dante greift hierbei auf die klassische Formel „suum cuique“ (jedem das Seine) zurück, die bereits im römischen Recht bei Ulpian verankert war. Für Dante ist Gerechtigkeit die ordnende Kraft der Seele, die den Willen dazu bringt, das Gemeinwohl über den Eigennutz zu stellen. Sie bildet das Fundament seiner gesamten politischen Philosophie: Nur durch die gerechte Verteilung von Rechten und Pflichten kann Frieden in der Gesellschaft einkehren. Diese Überzeugung zieht sich wie ein roter Faden bis in seine „Göttliche Komödie“, in der die göttliche Gerechtigkeit das gesamte Universum strukturiert.

Heute wird diese Passage vor allem in rechtsphilosophischen und ethischen Diskursen zitiert, um den moralischen Kern juristischen Handelns zu betonen. In einer Welt, die oft von bürokratischen Prozessen dominiert wird, erinnert Dantes Formulierung daran, dass Gerechtigkeit eine aktive, fortwährende Willensentscheidung des Einzelnen erfordert. Das Zitat findet Anwendung in der akademischen Lehre über Tugendethik sowie in politischen Reden, die zur sozialen Verantwortung aufrufen. Es bleibt aktuell, da es die Gerechtigkeit als zeitlose, menschliche Haltung begreift, die über rein formale Gesetzmäßigkeiten hinausgeht.

Dante Alighieri

Dichter · Italienisch

Dante Alighieri war ein bedeutender italienischer Dichter und Philosoph des Spätmittelalters, der mit seiner „Göttlichen Komödie“ die italienische Literatur begründete und als „Vater der italienischen Sprache“ gilt.

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