Die Welt ist mir nur einmal gegeben, nicht eine existierende und eine wahrgenommene. Subjekt und Objekt sind nur eines. Man kann nicht sagen, dass die Schranke zwischen ihnen infolge physischer…
Die Gesamtheit des Geistes ist ein Einziges; es gibt keine Grenzen zwischen den einzelnen Geistern, und die Vielheit ist nur ein Schein, der durch die Täuschung von Raum und Zeit entsteht.
Hintergrund & Bedeutung
Erwin Schrödinger verfasste die Essaysammlung „Meine Weltansicht“ kurz vor seinem Tod im Jahr 1961, wobei er auf Aufzeichnungen zurückgriff, die bis in das Jahr 1925 datierten. In einer Ära, die von den bahnbrechenden, aber oft fragmentierten Erkenntnissen der Quantenmechanik geprägt war, suchte der Nobelpreisträger nach einer philosophischen Klammer für die physikalische Realität. Beeinflusst durch die indische Vedanta-Philosophie und die Werke Arthur Schopenhauers, reflektierte er über die Natur des Bewusstseins in einer Zeit des wissenschaftlichen Umbruchs und persönlicher Rückschau auf sein Lebenswerk.Der Kern des Zitats artikuliert Schrödingers Überzeugung vom „Monismus des Geistes“. Er vertrat die Ansicht, dass das Bewusstsein eine fundamentale Einheit darstellt, die nicht in individuelle Fragmente unterteilt werden kann. Die wahrgenommene Trennung zwischen verschiedenen Individuen betrachtete er als eine bloße Konstruktion unserer Sinneswahrnehmung, die durch die Kategorien Raum und Zeit verzerrt wird. Für Schrödinger war die Vielheit der Subjekte eine Illusion, vergleichbar mit einem Lichtstrahl, der durch ein Prisma in viele Farben gebrochen wird, während die Quelle doch dieselbe bleibt.Heute wird diese Passage häufig zitiert, um die Brücke zwischen moderner theoretischer Physik und östlicher Mystik zu schlagen. Sie findet Resonanz in Diskursen über das „globale Bewusstsein“, in der Philosophie des Geistes sowie in der Popkultur, wenn es um die Vernetzung alles Lebendigen geht. Schrödingers Gedanken dienen als prominentes Beispiel dafür, dass führende Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts die rein materialistische Welterklärung oft als unzureichend empfanden und nach metaphysischen Antworten suchten.
