Die Grammatik, die alle Menschen beherrscht, beherrscht sogar Könige und lässt sie mit ihrer ganzen Macht gehorsam gegen ihre Gesetze sein.
Dramatiker, Schauspieler Der Bürger als Edelmann, 2. Aufzug, 6. Auftritt
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Hintergrund & Bedeutung

Molière verfasste die Komödie 'Der Bürger als Edelmann' im Jahr 1670 als Auftragswerk für den französischen König Ludwig XIV. In einer Ära des strengen Absolutismus, in der die höfische Etikette und die soziale Hierarchie das gesamte Leben bestimmten, thematisierte das Stück den vergeblichen Versuch des wohlhabenden Bürgers Monsieur Jourdain, durch den Erwerb von Bildung und Manieren in den Adelsstand aufzusteigen. Das Zitat fällt im Dialog mit einem Philosophielehrer und reflektiert die zeitgenössische Debatte über die Standardisierung der französischen Sprache, die durch die Gründung der Académie Française kurz zuvor institutionalisiert worden war. Die Sprache wurde hierbei als ein System begriffen, das über den individuellen Launen des Einzelnen steht.

Die Aussage postuliert die universelle Autorität der Logik und der sprachlichen Struktur über jede weltliche Gewalt. Molière bringt hier eine für die Aufklärung wegweisende Überzeugung zum Ausdruck: Selbst der absolutistische Herrscher, der über Leben und Tod entscheidet, ist den rationalen Gesetzmäßigkeiten der Grammatik unterworfen, sobald er kommuniziert. Es verdeutlicht die Unbestechlichkeit der Vernunft und zeigt, dass es Bereiche der menschlichen Existenz gibt, die sich der politischen Macht entziehen. In Molières Werk dient diese Einsicht oft dazu, die Eitelkeit und die intellektuellen Grenzen derjenigen aufzuzeigen, die glauben, sich über natürliche oder logische Ordnungen hinwegsetzen zu können.

In der heutigen Rezeption dient der Satz oft als humorvoller, aber bestimmter Hinweis auf die Notwendigkeit sprachlicher Präzision und Korrektheit. Er wird in bildungspolitischen Debatten, sprachwissenschaftlichen Abhandlungen und journalistischen Glossen zitiert, um den Wert der Bildung als demokratisierendes Element hervorzuheben. Da die Grammatik als ein Regelwerk verstanden wird, das für alle gleichermaßen gilt, fungiert das Zitat als zeitloses Plädoyer für eine intellektuelle Demut. Es findet zudem Verwendung in der Rechtsphilosophie, um zu illustrieren, dass auch die Mächtigen an die Strukturen gebunden sind, die ihre Kommunikation und damit ihre Herrschaft erst ermöglichen.

Molière

Dramatiker, Schauspieler · Französisch

Molière war einer der bedeutendsten französischen Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter des 17. Jahrhunderts, der die klassische Komödie durch scharfsinnige Gesellschaftskritik und psychologische Tiefe revolutionierte.

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