Erst wenn wir gelernt haben, uns nicht mehr um Dinge zu sorgen, die außerhalb unserer Macht stehen, werden wir inneren Frieden und Freiheit finden.
Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.
Hintergrund & Bedeutung
Epiktet, der als Sklave im romischen Kaiserreich geboren wurde und spater als freigelassener Lehrer die stoische Philosophie pragte, verfasste seine Lehren nicht selbst. Seine Gedanken wurden von seinem Schuler Arrian in den 'Diskursen' und dem daraus destillierten Handbuchlein 'Enchiridion' um das Jahr 125 n. Chr. festgehalten. In einer Zeit politischer Instabilitat und personlicher Willkur bot Epiktet seinen Schulern eine Anleitung zur inneren Freiheit, die unabhangig von externen Lebensumstanden wie sozialem Status oder korperlicher Unversehrtheit existieren sollte. Die zentrale Uberzeugung hinter dieser Aussage ist die stoische Unterscheidung zwischen Dingen, die in unserer Macht stehen, und solchen, die wir nicht beeinflussen konnen. Epiktet argumentiert, dass Leid nicht durch objektive Ereignisse entsteht, sondern durch das subjektive Urteil, das wir uber diese Ereignisse fallen. Wahrend der Tod oder ein Verlust naturliche Prozesse sind, ist es die Bewertung dieser Vorfalle als 'schrecklich' oder 'ungerecht', die den Menschen in Unruhe versetzt. Wahre Autonomie wird somit durch die Disziplinierung der eigenen Wahrnehmung und die rationale Prufung von Eindrucken erreicht. In der Moderne bildet dieser Gedankengang das theoretische Fundament der Kognitiven Verhaltenstherapie, die davon ausgeht, dass psychische Belastungen durch die Umbewertung dysfunktionaler Denkmuster gelindert werden konnen. Das Zitat wird heute universell in der Psychologie, im Selbstmanagement und in der Resilienzforschung verwendet, um die Eigenverantwortung des Individuums fur seinen emotionalen Zustand zu betonen.
