Man kann anderer Meinung sein, ohne unangenehm zu sein.
Ich verlange keine Vergünstigungen für mein Geschlecht. Alles, was ich von unseren Brüdern verlange, ist, dass sie ihre Füße von unseren Hälsen nehmen.
Hintergrund & Bedeutung
Ruth Bader Ginsburg formulierte diese markanten Worte im Jahr 1973 während ihres ersten mündlichen Plädoyers vor dem Obersten Gerichtshof der USA im Fall Frontiero v. Richardson. In einer Ära, in der Frauen rechtlich massiv benachteiligt waren, vertrat sie die Luftwaffenoffizierin Sharron Frontiero, der Wohngeld- und medizinische Leistungen für ihren Ehemann verweigert wurden, während männliche Soldaten diese für ihre Ehefrauen automatisch erhielten. Ginsburg, die zu dieser Zeit das Women’s Rights Project der ACLU leitete, zitierte dabei die Abolitionistin Sarah Grimké aus dem 19. Jahrhundert, um die strukturelle Unterdrückung von Frauen in der US-Rechtsprechung anzuprangern. Die Kernbotschaft des Zitats liegt in der Forderung nach formaler Gleichberechtigung statt wohlwollendem Protektionismus. Ginsburg argumentierte, dass Frauen keine Sonderbehandlung oder Privilegien benötigen, sondern lediglich die Beseitigung künstlicher Barrieren, die ihre gesellschaftliche und berufliche Entfaltung behindern. Das Bild der Füße auf dem Hals verdeutlicht, dass die bestehende Rechtsordnung nicht schützend, sondern aktiv unterdrückend wirkte. Für Ginsburg war Gleichheit ein verfassungsrechtliches Gebot, das keine Almosen, sondern die schlichte Anerkennung der menschlichen Autonomie erforderte. Heute gilt der Ausspruch als ikonisches Symbol des juristischen Feminismus und der Standhaftigkeit. Er wird in der politischen Bildung, in feministischer Literatur und in der Popkultur – etwa in Dokumentationen über Ginsburgs Leben – herangezogen, um den Übergang von der Bittstellung zum Rechtsanspruch zu markieren. Das Zitat bleibt aktuell, da es die Verantwortung der Privilegierten adressiert, systemische Unterdrückung zu beenden, statt lediglich oberflächliche Reformen anzubieten.
