Man muss das Leben nehmen, wie es ist, und die Menschen, wie sie sind, und das Beste daraus machen, ohne sich zu beklagen.
Jeder soll nach seiner Façon selig werden.
Hintergrund & Bedeutung
Friedrich II. verfasste diese berühmten Worte unmittelbar nach seinem Regierungsantritt im Juni 1740. Als Reaktion auf eine Anfrage des geistlichen Departements, ob katholische Schulen in Berlin weiterhin geduldet werden sollten, notierte er den Satz als Randbemerkung auf einer Kabinettsorder. In einer Zeit, in der religiöse Zugehörigkeit oft noch über bürgerliche Rechte entschied, markierte diese Entscheidung einen radikalen Bruch mit der konfessionellen Engstirnigkeit. Friedrich, der stark von den Idealen der Aufklärung geprägt war, stellte damit klar, dass der Staat nicht die Aufgabe hat, über das Seelenheil seiner Untertanen zu wachen oder eine spezifische Glaubensrichtung zu privilegieren.Die Kernbotschaft des Zitats liegt in der Trennung von Staat und Religion sowie in der individuellen Gewissensfreiheit. Für Friedrich war Religion eine Privatangelegenheit; solange ein Bürger seine staatlichen Pflichten erfüllte und dem Gesetz gehorchte, war seine spirituelle Überzeugung für die Krone belanglos. Diese Haltung entsprang weniger einer tiefen religiösen Toleranz im modernen Sinne, sondern vielmehr einem pragmatischen Staatsverständnis: Ein friedliches Miteinander verschiedener Glaubensgruppen sicherte die Stabilität und wirtschaftliche Kraft Preußens. Es spiegelt das Ideal des aufgeklärten Absolutismus wider, in dem der Herrscher sich als erster Diener seines Staates sah.Heute gilt der Ausspruch als eines der prägnantesten Plädoyers für Pluralismus und persönliche Freiheit. Er wird in politischen Debatten über Integration und Religionsfreiheit ebenso zitiert wie im alltäglichen Sprachgebrauch, um das Recht auf eine individuelle Lebensgestaltung einzufordern. Über die Religion hinausgehend hat sich die Bedeutung auf alle Lebensbereiche ausgeweitet, in denen Menschen nach Selbstbestimmung streben. In der Literatur und Philosophie steht der Satz symbolisch für den Beginn der Moderne und die Abkehr von dogmatischen Zwängen, was ihn zu einem zeitlosen Leitspruch liberaler Gesellschaften macht.
