Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu…
Mehr Demokratie wagen. Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden, im Inneren und nach außen.
Hintergrund & Bedeutung
Willy Brandt formulierte diese programmatischen Worte am 28. Oktober 1969 in seiner ersten Regierungserklärung als Bundeskanzler vor dem Deutschen Bundestag. Nach zwei Jahrzehnten unionsgeführter Regierungen markierte der Antritt der sozial-liberalen Koalition einen tiefgreifenden politischen Umbruch in der Bundesrepublik Deutschland. In einer Zeit gesellschaftlicher Unruhen, geprägt durch die 68er-Bewegung und den Wunsch nach Modernisierung, versprach Brandt einen neuen Aufbruch, der die starren Strukturen der Nachkriegszeit aufbrechen sollte. Die Aussage bildete das ideologische Fundament für eine umfassende Reformpolitik. Im Inneren zielte Brandt auf eine stärkere Partizipation der Bürger ab; Demokratie sollte nicht nur eine Staatsform, sondern ein gelebtes Prinzip in allen Lebensbereichen sein. Nach außen hin legte das Zitat den Grundstein für die neue Ostpolitik. Das Streben nach ‚guter Nachbarschaft‘ bedeutete eine Abkehr von der Konfrontation des Kalten Krieges hin zu Entspannung und Versöhnung mit den osteuropäischen Staaten. Heute gilt der Aufruf als einer der bedeutendsten Leitsätze der deutschen Parlamentsgeschichte. Er wird regelmäßig zitiert, wenn es um die Erneuerung politischer Teilhabe oder den Schutz bürgerlicher Freiheiten geht. In politischen Debatten dient die Formel oft als Maßstab für den Mut zu gesellschaftlichen Veränderungen, während sie im kulturellen Gedächtnis als Symbol für den demokratischen Reifeprozess der Bundesrepublik verankert bleibt.
