Wer heute nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, und das ist das Schlimmste, was einem passieren kann.
Stress kenne ich nicht, ich kenne nur Strass.
Hintergrund & Bedeutung
Karl Lagerfeld prägte das Bonmot über Stress und Strass vermutlich in den 1980er oder 1990er Jahren, einer Ära, in der er als kreativer Kopf von Chanel und Fendi die Modewelt dominierte. Inmitten eines enormen Arbeitspensums, das die Gestaltung zahlreicher Kollektionen pro Jahr sowie eigene Fotografie-Projekte umfasste, wurde er oft nach seinem Umgang mit dem hohen Erwartungsdruck gefragt. Das Zitat entstand als schlagfertige Reaktion auf die zunehmende Pathologisierung von Arbeitsbelastung in der Leistungsgesellschaft.Lagerfeld drückt mit diesem Wortspiel eine radikale Ablehnung von Opfernarrativen aus. Während Stress ein Symptom von Überforderung und negativer psychischer Belastung ist, steht Strass für die glitzernde, künstliche Welt der Mode und den dekorativen Schein. Die Aussage verdeutlicht seine Philosophie, dass Arbeit keine Last, sondern ein Privileg und eine Form der Selbstinszenierung sein sollte. Er ersetzte das Leiden durch Ästhetik und signalisierte, dass Disziplin und Kreativität keinen Raum für emotionale Erschöpfung lassen dürfen.Heute gilt der Ausspruch als Inbegriff der Lagerfeld'schen Attitüde und wird häufig in der Popkultur sowie im Arbeitsalltag zitiert, um Gelassenheit gegenüber beruflichen Anforderungen zu demonstrieren. Er dient als humorvolles Mantra gegen das Burnout-Syndrom und wird in sozialen Medien oft genutzt, um eine glamouröse Unnahbarkeit zu stilisieren. Das Zitat bleibt relevant, da es die Sehnsucht nach einer Leichtigkeit verkörpert, die reale Probleme hinter einer Fassade aus Eleganz und Witz verschwinden lässt.
