Ich habe die Morde begangen, weil ich wollte, dass sie bei mir bleiben, und ich dachte, wenn ich ihre Körperteile behalte, könnte ich sie bei mir behalten.
Wenn man nicht an eine verantwortliche Kraft glaubt, die uns erschaffen hat, dann ist man nur ein Unfall der Biologie, der einfach passiert ist.
Hintergrund & Bedeutung
Dieses Statement entstammt einem der letzten großen Fernsehinterviews, das Jeffrey Dahmer 1994, kurz vor seinem Tod im Gefängnis, dem Journalisten Stone Phillips für die Sendung Dateline NBC gab. Zu diesem Zeitpunkt war Dahmer bereits wegen mehrfachen Mordes verurteilt und befand sich in einer Phase der religiösen Auseinandersetzung. In Begleitung seines Vaters Lionel Dahmer reflektierte er über seine Taten und suchte nach einer moralischen oder philosophischen Erklärung für sein fehlendes Empathievermögen und seine mörderischen Impulse. Das Gespräch fand in einer gesellschaftlichen Atmosphäre statt, die von Entsetzen über die Details seiner Verbrechen geprägt war, während Dahmer selbst versuchte, seine Entwicklung rückblickend zu rationalisieren.Dahmer artikuliert hier eine radikale materialistische Weltsicht, die er als Rechtfertigungsgrundlage für seine Taten heranzieht. Seine Argumentation folgt der Logik, dass ohne eine göttliche Instanz oder eine objektive moralische Ordnung keine verbindlichen Regeln für menschliches Verhalten existieren. Wenn der Mensch lediglich ein Produkt biologischer Zufälle ist, verliert das individuelle Leben in seiner Logik seinen sakrosankten Status. Diese Sichtweise diente ihm dazu, die Entmenschlichung seiner Opfer philosophisch zu untermauern: Wenn es keinen Schöpfer gibt, dem man Rechenschaft schuldig ist, wird Moral zu einer rein subjektiven Übereinkunft ohne tieferen Sinn.In der heutigen Rezeption wird die Aussage häufig in apologetischen oder religionsphilosophischen Debatten instrumentalisiert, um die Gefahren eines atheistischen Weltbildes aufzuzeigen. Sie dient oft als Extrembeispiel für den moralischen Nihilismus. In der Popkultur und im True-Crime-Genre wird das Zitat genutzt, um die verstörende Kaltblütigkeit Dahmers zu illustrieren und die Frage aufzuwerfen, ob seine Hinwendung zum Glauben am Ende seines Lebens eine echte Reue oder lediglich ein letzter Versuch der Sinnstiftung war. Es bleibt ein zentraler Bezugspunkt für Diskussionen über die Verbindung zwischen Weltanschauung und individueller Ethik.
