Wir brauchen die Kunst, weil sie uns die Augen öffnet für das, was wir im Alltag oft übersehen, und uns lehrt, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.
Wir brauchen das Ehrenamt, weil es das Rückgrat unserer Gesellschaft ist und uns zeigt, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität die Fundamente sind, auf denen unser Zusammenleben ruht.
Hintergrund & Bedeutung
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte diese Worte im Jahr 2017 während eines Ehrenamtsempfangs im Schloss Bellevue, kurz nach Beginn seiner ersten Amtszeit. In einer Phase, die von zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und globalen Unsicherheiten geprägt war, suchte das Staatsoberhaupt nach verbindenden Elementen innerhalb der deutschen Bevölkerung. Der Empfang diente dazu, Bürgern für ihr unentgeltliches Engagement zu danken, wobei Steinmeier die Bedeutung des individuellen Beitrags für die Stabilität der Demokratie hervorhob. Historisch gesehen steht die Rede in der Tradition der Bundespräsidenten, das bürgerschaftliche Engagement als notwendige Ergänzung zum staatlichen Handeln zu würdigen.
Die Aussage unterstreicht Steinmeiers Überzeugung, dass ein Staat allein durch Gesetze und Institutionen keinen inneren Zusammenhalt garantieren kann. Mit dem Begriff des Rückgrats beschreibt er das Ehrenamt als die stützende Struktur, die die Gesellschaft aufrecht hält und ihr Flexibilität sowie Stärke verleiht. Die Kernidee ist, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität keine bloßen moralischen Zierden sind, sondern die funktionalen Fundamente eines friedlichen Zusammenlebens. Für Steinmeier ist das Ehrenamt somit ein praktizierter Verfassungswert, der die abstrakte Demokratie im Alltag erfahrbar macht.
Heute wird das Zitat regelmäßig in Festreden, auf Portalen für Freiwilligenarbeit und in sozialpolitischen Debatten herangezogen, um die gesellschaftliche Relevanz freiwilliger Arbeit zu legitimieren. Es dient als Standardreferenz, wenn es darum geht, den Wert des Gemeinwohls gegenüber rein ökonomischen Interessen zu betonen. In der politischen Bildung und im zivilgesellschaftlichen Diskurs wird es genutzt, um zu verdeutlichen, dass eine funktionierende Gesellschaft auf der Eigenverantwortung und der Empathie ihrer Mitglieder basiert.
