Wir brauchen das Ehrenamt, weil es das Rückgrat unserer Gesellschaft ist und uns zeigt, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität die Fundamente sind, auf denen unser Zusammenleben ruht.
Wir brauchen die Kunst, weil sie uns die Augen öffnet für das, was wir im Alltag oft übersehen, und uns lehrt, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.
Hintergrund & Bedeutung
Frank-Walter Steinmeier äußerte diesen Gedanken im Rahmen seines langjährigen Engagements für die Kulturpolitik, insbesondere während seiner Amtszeit als Bundespräsident bei Verleihungen von Kunstpreisen oder Eröffnungen großer Ausstellungen. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und einer Beschleunigung des Alltags durch digitale Medien betont er die Notwendigkeit von Räumen der Reflexion. Die Aussage entstand vor dem Hintergrund der Überzeugung, dass Kunst kein dekorativer Luxus ist, sondern eine existenzielle Funktion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die individuelle Wahrnehmung erfüllt.
Der Kern dieser Aussage liegt in der transformativen Kraft der Ästhetik. Steinmeier versteht Kunst als ein Korrektiv zur menschlichen Betriebsblindheit, die durch Routine und Effizienzdenken entsteht. Indem Kunst Sehgewohnheiten bricht und ungewohnte Perspektiven erzwingt, fördert sie Empathie und die Fähigkeit, Ambiguitäten auszuhalten. In Steinmeiers politischem Denken ist dies eng mit der demokratischen Grundhaltung verknüpft: Nur wer bereit ist, die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen, kann einen konstruktiven Dialog in einer pluralistischen Gesellschaft führen.
Heute wird das Zitat häufig in bildungspolitischen Debatten und Kulturreden herangezogen, um die Relevanz der geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bildung zu unterstreichen. Es dient als Plädoyer gegen die rein ökonomische Verwertbarkeit von Kreativität. In der zeitgenössischen Rezeption fungiert es zudem als Mahnung, in einer krisenbehafteten Welt den Blick für das Nuancierte und das Menschliche nicht zu verlieren. Es findet sich daher regelmäßig in Ausstellungskatalogen, Feuilletons und bei Eröffnungsreden von Kulturinstitutionen wieder, die ihren gesellschaftlichen Auftrag legitimieren wollen.
