Wenn man immer nur das macht, was alle anderen auch machen, dann wird man nie etwas Besonderes erreichen und nie wirklich vorankommen.
Wir wollen eine Politik, die die Menschen ermutigt, die ihre eigenen Potenziale entfalten und die ihre Verantwortung für sich und für andere wahrnehmen können.
Hintergrund & Bedeutung
Angela Merkel äußerte diese Worte am 30. November 2005 während ihrer ersten Regierungserklärung als Bundeskanzlerin vor dem Deutschen Bundestag. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl und zähen Koalitionsverhandlungen markierte dieser Moment den Beginn der ersten Großen Koalition unter ihrer Führung. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit, was eine Aufbruchstimmung sowie strukturelle Reformen erforderte. Merkel nutzte die Rede, um ihr Leitbild einer 'Politik der kleinen Schritte' und der Eigenverantwortung zu präsentieren.
Die Aussage spiegelt Merkels christlich-demokratisches Menschenbild wider, das die Freiheit des Einzelnen untrennbar mit persönlicher Verantwortung verknüpft. Sie plädiert für einen aktivierenden Staat, der den Bürgern nicht alle Lasten abnimmt, sondern die Rahmenbedingungen schafft, damit Individuen ihre Talente entfalten können. Kernidee ist die Subsidiarität: Der Staat greift helfend ein, setzt aber primär auf die Initiative der Zivilgesellschaft. Dies verdeutlicht ihre Überzeugung, dass gesellschaftlicher Fortschritt nur durch die Summe individueller Anstrengungen und gegenseitiger Solidarität entstehen kann.
In der politischen Analyse wird das Zitat heute oft als programmatischer Grundstein ihrer 16-jährigen Amtszeit herangezogen. Es dient in der politischen Bildung und in Rückblicken als Beleg für ihren pragmatischen, aber werteorientierten Politikstil. Während es in der Popkultur kaum präsent ist, findet es in der sozialpolitischen Literatur regelmäßig Erwähnung, wenn es um das Verhältnis zwischen staatlicher Fürsorge und bürgerlicher Freiheit geht. Es bleibt ein Referenzpunkt für die Debatte darüber, wie viel Eigenverantwortung eine moderne Demokratie ihren Bürgern abverlangen kann und muss.
