Wenn wir anfangen, uns dafür zu entschuldigen, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.
Wir sind heute hier, um ein Zeichen zu setzen für die Freiheit und für die Demokratie und gegen den Terror, gegen den Hass und gegen die Gewalt.
Hintergrund & Bedeutung
Angela Merkel hielt diese Rede am 13. Januar 2015 während einer Mahnwache der muslimischen Verbände am Brandenburger Tor in Berlin. Der Anlass war eine Serie von islamistischen Terroranschlägen in Paris, die sich wenige Tage zuvor gegen die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo sowie einen jüdischen Supermarkt gerichtet hatten. In einer Phase großer gesellschaftlicher Verunsicherung und einer aufgeheizten Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland suchte die damalige Bundeskanzlerin den Schulterschluss mit den Bürgern und betonte den gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen religiösen Extremismus. Die Worte fielen in eine Zeit, in der auch die PEGIDA-Demonstrationen ihren Höhepunkt erreichten und die Frage nach der Identität der Bundesrepublik im Zentrum des öffentlichen Diskurses stand.Inhaltlich steht das Zitat für ein klares Bekenntnis zu den Grundwerten der liberalen Demokratie. Merkel positioniert sich hier nicht nur gegen physische Gewalt, sondern auch gegen die ideologischen Grundlagen des Hasses, die den gesellschaftlichen Frieden bedrohen. Es spiegelt ihre Überzeugung wider, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern aktiv gegen jede Form von Radikalismus verteidigt werden müssen. Die Aussage unterstreicht zudem Merkels pragmatischen und zugleich werteorientierten Politikstil, der darauf abzielte, Polarisierungen abzubauen und die Einheit des Staates über religiöse oder kulturelle Differenzen zu stellen.Heute wird die Aussage oft als Symbol für die wehrhafte Demokratie und den interkulturellen Dialog herangezogen. Sie findet regelmäßig Erwähnung in politischen Gedenkreden, in bildungspolitischen Materialien zur Extremismusprävention sowie in journalistischen Rückblicken auf Merkels Amtszeit. In einer Ära zunehmender gesellschaftlicher Spaltung dient der Satz als Referenzpunkt für die Notwendigkeit einer klaren Haltung gegen Intoleranz. Über den konkreten historischen Anlass hinaus ist das Zitat zu einem festen Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses geworden, wenn es darum geht, die Unvereinbarkeit von Terrorismus mit den europäischen Grundwerten zu betonen.
