Die Freiheit ist kein Geschenk, das man einmal bekommt und dann besitzt; man muss sie sich jeden Tag neu erkämpfen und verteidigen.
Wir wollen nicht nur ein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei.
Hintergrund & Bedeutung
Alice Schwarzer prägte diesen Ausspruch in der Hochphase der zweiten Frauenbewegung in Westdeutschland, insbesondere in den 1970er Jahren. Als Mitbegründerin der Zeitschrift 'EMMA' und Initiatorin zahlreicher Kampagnen gegen das Abtreibungsverbot oder sexistische Darstellung von Frauen forderte sie eine radikale Umgestaltung der patriarchalen Gesellschaft. Das Zitat entstand aus der Frustration darüber, dass Frauen lediglich kleine Zugeständnisse innerhalb bestehender Machtstrukturen gemacht wurden, anstatt die Strukturen selbst zu hinterfragen. Die Metapher verdeutlicht, dass es Schwarzer nicht um eine bloße Integration von Frauen in eine von Männern geschaffene Welt ging, sondern um die vollständige Teilhabe und Entscheidungsgewalt über alle gesellschaftlichen Ressourcen. Die Kernidee ist die Ablehnung des Reformismus, der sich mit Teilhabe begnügt. Schwarzer vertritt die Überzeugung, dass Gleichberechtigung nicht bedeutet, dass Frauen sich an männliche Normen anpassen, sondern dass sie die Rahmenbedingungen der Produktion, Politik und Kultur selbst definieren müssen. Es ist ein Plädoyer für Autonomie und die totale Umverteilung von Macht, weg von einer Bittsteller-Mentalität hin zur Selbstermächtigung. Heute fungiert der Satz als populärer Slogan in feministischen Diskursen, der Popkultur und bei Demonstrationen. Er wird immer dann zitiert, wenn auf die strukturellen Ursachen von Ungleichheit hingewiesen werden soll, etwa in Debatten um den Gender Pay Gap oder die Repräsentation in Führungspositionen. Die zeitlose Relevanz liegt in der klaren Absage an oberflächliche Kosmetik in der Gleichstellungspolitik.
