Wir wollen nicht nur ein Stück vom Kuchen, wir wollen die ganze Bäckerei.
Die Gleichberechtigung ist ein langer Weg, auf dem wir noch lange nicht am Ziel sind. Wir müssen wachsam bleiben und für unsere Rechte kämpfen, jeden Tag aufs Neue.
Hintergrund & Bedeutung
Alice Schwarzer veröffentlichte diese Zeilen 1975 in ihrem bahnbrechenden Werk 'Der kleine Unterschied und seine großen Folgen'. In einer Zeit, in der die zweite Welle der Frauenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland an Fahrt gewann, analysierte sie die strukturelle Unterdrückung der Frau im Privaten wie im Öffentlichen. Das Buch erschien im Internationalen Jahr der Frau und markierte einen Wendepunkt, da es die sexuelle Befreiung und die ökonomische Unabhängigkeit als untrennbare Einheiten der Emanzipation definierte. Schwarzer reflektierte hierbei die gesellschaftliche Aufbruchstimmung nach den 68er-Jahren, gepaart mit der Ernüchterung über fortbestehende patriarchale Hierarchien.
Die Aussage unterstreicht die Überzeugung, dass gesetzliche Gleichstellung nicht mit tatsächlicher gesellschaftlicher Gerechtigkeit gleichzusetzen ist. Schwarzer warnt davor, Erreichtes als selbstverständlich zu betrachten, und begreift den Feminismus als einen fortwährenden Prozess des Widerstands. Die Kernidee ist die notwendige Politisierung des Alltags: Rechte müssen nicht nur erstritten, sondern durch tägliche Wachsamkeit verteidigt werden. Dies spiegelt ihren radikalfeministischen Ansatz wider, der die tief verwurzelten Rollenbilder in der Erziehung, Partnerschaft und Arbeitswelt radikal infrage stellt.
Heute fungiert die Passage als zeitloses Mahnmal in politischen Debatten um den Gender-Pay-Gap oder die Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Sie wird regelmäßig in feministischer Literatur, bei Demonstrationen zum Weltfrauentag und in sozialwissenschaftlichen Diskursen zitiert, um auf den Backlash gegen Frauenrechte aufmerksam zu machen. In der Popkultur dient der Text oft als Referenzpunkt, um die historische Kontinuität des feministischen Kampfes zu verdeutlichen und neue Generationen von Aktivistinnen für die Fragilität demokratischer Errungenschaften zu sensibilisieren.
