Die Fotografie ist für mich die Möglichkeit, den flüchtigen Augenblick festzuhalten und ihm eine Dauer zu verleihen, die über den Moment hinausreicht und die Schönheit der Welt bewahrt.
Die Kunst ist für mich ein Lebenselixier, das den Alltag in ein Fest verwandelt und uns lehrt, die Welt mit den Augen des Staunens und der Bewunderung zu betrachten.
Hintergrund & Bedeutung
Gunter Sachs, der als Prototyp des modernen Playboys und zugleich als ernsthafter Kunstmäzen galt, formulierte diese Gedanken in der Phase seines Lebens, in der er sich zunehmend von der reinen Repräsentation der High Society abwandte und der Fotografie sowie dem Sammeln zeitgenössischer Kunst widmete. In den 1960er und 1970er Jahren, geprägt durch seine Freundschaften mit Künstlern wie Andy Warhol und Salvador Dalí, wurde die Kunst für ihn zu einem zentralen Lebensinhalt. Das Zitat spiegelt seine persönliche Wandlung wider: Weg von der Oberflächlichkeit des Jetsets, hin zu einer tiefen ästhetischen Durchdringung der Existenz, die er sowohl in seiner eigenen Arbeit als Dokumentarfotograf als auch in seiner Rolle als Galerist in Hamburg lebte. Die Aussage artikuliert die Überzeugung, dass Ästhetik keine bloße Dekoration ist, sondern eine transformative Kraft besitzt. Sachs verstand Kunst als Werkzeug, um die Monotonie und die Last des Gewöhnlichen zu durchbrechen. Für ihn war das Staunen keine kindliche Naivität, sondern eine bewusste Entscheidung zur Lebensbejahung. In seinem Denken verschmolzen Lebenskunst und bildende Kunst zu einer Einheit, wobei er die Schönheit als Gegenentwurf zu einer rein rationalen oder funktionalen Weltanschauung positionierte. Heute wird dieser Gedanke häufig in der Kunstvermittlung und in Ausstellungsrezensionen zitiert, um die emotionale Relevanz von Museen und Galerien zu unterstreichen. Er dient als Referenzpunkt für eine Lebensphilosophie, die den Genuss und die Wertschätzung des Augenblicks in den Vordergrund stellt. In einer zunehmend digitalisierten und zweckorientierten Gesellschaft fungiert Sachs’ Plädoyer für das Staunen als zeitlose Erinnerung daran, die Welt nicht nur zu konsumieren, sondern sie in ihrer künstlerischen Tiefe aktiv wahrzunehmen.
