Es gibt kein größeres Vergnügen, als denen zu gefallen, die man liebt.
Die Zeit ist ein großer Meister, sie ordnet viele Dinge.
Hintergrund & Bedeutung
Molière, der bedeutendste Komödiendichter der französischen Klassik, verfasste das Werk 'Sganarelle, ou Le Cocu imaginaire' im Jahr 1660. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs unter Ludwig XIV. thematisierte er oft die menschliche Fehlbarkeit und die Absurdität sozialer Konventionen. Das Zitat wird häufig diesem Frühwerk zugeordnet, in dem Verwechslungen und Eifersucht das Geschehen dominieren. Es entstand in einer Phase, in der Molière versuchte, die starren Regeln der Farce mit psychologischer Tiefe zu füllen, während er gleichzeitig den Launen des Hofes und der Zensur ausgesetzt war. Die Aussage spiegelt die stoische Gelassenheit wider, die inmitten von Intrigen und Missverständnissen notwendig war, um als Künstler und Mensch zu bestehen.Inhaltlich drückt der Satz eine tiefe Zuversicht in die heilende und klärende Kraft der Zeit aus. Er impliziert, dass menschliches Handeln oft an seine Grenzen stößt und manche Konflikte oder emotionalen Verwirrungen nicht durch sofortige Intervention, sondern nur durch das bloße Verstreichen von Tagen und Jahren gelöst werden können. In Molières Weltbild, das von der Beobachtung menschlicher Schwächen geprägt ist, fungiert die Zeit als ein objektiver Richter, der Leidenschaften abkühlen lässt und verborgene Wahrheiten ans Licht bringt. Es ist ein Plädoyer für Geduld und die Akzeptanz des Unvermeidlichen, was einen interessanten Gegenpol zur Hektik seiner bühnenwirksamen Verwechslungskomödien bildet.Heute wird der Ausspruch vor allem als tröstliche Lebensweisheit im Alltag und in der populärphilosophischen Literatur verwendet. Er hat sich von seinem theatralen Ursprung gelöst und dient in Krisenzeiten oder bei ungelösten Problemen als universelles Sprichwort. Die Rezeption zeigt, dass die Vorstellung der Zeit als ordnende Instanz eine zeitlose menschliche Sehnsucht bedient. Ob in Trauerreden, psychologischen Ratgebern oder als Reflexion über historische Entwicklungen – Molières Beobachtung bleibt relevant, da sie die Komplexität des Lebens auf eine einfache, fast stoische Formel reduziert, die dem Einzelnen in einer unübersichtlichen Welt Halt gibt.
