Wenn wir uns auf unsere eigene Kraft stützen, wird das für uns besser sein, denn wir sind dann nicht von der Hilfe anderer abhängig.
Man muss die Dinge in ihrer Entwicklung betrachten und nicht statisch.
Hintergrund & Bedeutung
Mao Zedong verfasste die philosophische Abhandlung 'Über den Widerspruch' im August 1937, während er sich im revolutionären Stützpunkt Yan'an befand. Zu dieser Zeit befand sich China in einer existenziellen Krise, geprägt durch den langjährigen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten sowie die drohende Eskalation der japanischen Invasion. Mao nutzte diese Schrift primär als theoretisches Schulungsmaterial für die Kader der Kommunistischen Partei Chinas, um die ideologische Grundlage des Marxismus-Leninismus an die spezifischen chinesischen Verhältnisse anzupassen und dogmatische Fehler innerhalb der Parteiführung zu korrigieren. Die Forderung, Dinge in ihrer Entwicklung zu betrachten, bildet den Kern der materialistischen Dialektik. Mao argumentiert, dass kein Zustand dauerhaft stabil ist, sondern alles Sein durch innere Widersprüche in ständiger Bewegung und Veränderung begriffen bleibt. Statische Betrachtungsweisen lehnte er als metaphysisch und realitätsfern ab, da sie die Dynamik revolutionärer Prozesse verkennen. Für Mao war diese prozesshafte Sichtweise essenziell, um gesellschaftliche Umbrüche nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu lenken. In der heutigen Rezeption wird der Gedanke oft über seinen ursprünglichen marxistischen Rahmen hinausgelöst. Er findet Anwendung in der modernen Systemtheorie, im Change-Management oder in der Geschichtsphilosophie, um die Notwendigkeit von Flexibilität und prozessorientiertem Denken zu betonen. Das Zitat dient als Mahnung, starre Dogmen zugunsten einer Analyse der tatsächlichen, sich wandelnden Gegebenheiten aufzugeben.
