Die Fotografie ist für mich die Möglichkeit, den flüchtigen Augenblick festzuhalten und ihm eine Dauer zu verleihen, die über den Moment hinausreicht und die Schönheit der Welt bewahrt.
Ich habe mich nie als Sammler gesehen, sondern als jemanden, der mit Kunst lebt, weil sie das Leben bereichert und den Blick auf die Welt verändert.
Hintergrund & Bedeutung
Gunter Sachs äußerte diese Gedanken vorwiegend in seinen späten Lebensjahren, als er seine umfangreiche Sammlung moderner Kunst zunehmend der Öffentlichkeit zugänglich machte, etwa bei großen Retrospektiven in Leipzig oder München. In einer Ära, in der Kunst vermehrt als spekulatives Anlageobjekt wahrgenommen wurde, betonte der deutsch-schweizerische Industriellenerbe seine tiefe emotionale Bindung zu den Werken. Seine persönliche Geschichte war geprägt von der Pop-Art-Bewegung der 1960er Jahre und einer engen Freundschaft zu Andy Warhol, was seine Auffassung von Ästhetik als integralem Bestandteil des täglichen Daseins formte. Die Aussage reflektiert die Überzeugung, dass Kunst kein museales Relikt ist, sondern ein dynamisches Element, das die Wahrnehmung des Individuums schärft. Sachs verstand das Sammeln nicht als bloßen Akt des Erwerbs oder der Hortung von Werten, sondern als eine Form der Lebensgestaltung. Für ihn war die ständige Präsenz von Kreativität ein Mittel, um der Banalität des Alltags zu entfliehen und neue Perspektiven auf gesellschaftliche Realitäten zu gewinnen. Dieser Ansatz ordnet sich in ein humanistisches Weltbild ein, in dem die ästhetische Erfahrung zur persönlichen Reife und geistigen Freiheit beiträgt. Heute wird das Zitat häufig in Feuilletons und bei Kunstauktionen herangezogen, um den ideellen Wert der Kunst gegenüber ihrer Kommerzialisierung hervorzuheben. Es dient als Referenzpunkt für eine leidenschaftliche, fast symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Objekt. In der zeitgenössischen Debatte über die Demokratisierung von Kunst wird Sachs damit oft als Beispiel für einen Sammlertypus zitiert, der die transformative Kraft der Ästhetik über den materiellen Besitz stellt.
