Die Zukunft ist kein Schicksal, sondern die Summe unserer Entscheidungen, die wir heute treffen, und der Wege, die wir gemeinsam zu gehen bereit sind.
Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, dass wir in einer Demokratie nicht nur Rechte haben, sondern auch Pflichten, und dass wir Verantwortung für das Ganze tragen.
Hintergrund & Bedeutung
Frank-Walter Steinmeier hielt diese Rede am 3. Oktober 2017 in Mainz, dem 27. Jahrestag der Deutschen Einheit. Der gesellschaftliche Hintergrund war geprägt von den Nachwirkungen der Flüchtlingskrise 2015 sowie dem erstmaligen Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag kurz zuvor. In einer Zeit zunehmender Polarisierung und einer spürbaren Verunsicherung über den nationalen Zusammenhalt adressierte der Bundespräsident die Notwendigkeit, über die rein rechtliche Staatsbürgerschaft hinaus ein gemeinsames Fundament bürgerschaftlichen Engagements zu definieren. Die Worte fielen in einer Phase, in der die liberale Demokratie weltweit unter Druck geriet und die Frage nach der Identität der Bundesrepublik neu verhandelt wurde. Die Kernbotschaft zielt auf die Überwindung einer reinen Konsumhaltung gegenüber dem Staat ab. Steinmeier betont, dass eine freiheitliche Ordnung nicht allein durch Institutionen garantiert wird, sondern vom aktiven Mitwirken ihrer Bürger lebt. Er warnt vor einer Vereinzelung und der Flucht in private Echokammern, die das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren. In seinem Denken ist Demokratie keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Daueraufgabe, die Mut zur Auseinandersetzung und die Übernahme von Verantwortung erfordert. Dieser Appell zur Pflicht ist dabei nicht autoritär zu verstehen, sondern als notwendiges Korrelat zur individuellen Freiheit. Heute wird die Passage regelmäßig herangezogen, wenn über die Einführung eines sozialen Pflichtjahres oder die Stärkung des Ehrenamts debattiert wird. Sie fungiert als moralischer Kompass in politischen Bildungsdiskursen und wird oft zitiert, um gegen Politikverdrossenheit und gesellschaftliche Spaltung zu argumentieren. In der öffentlichen Wahrnehmung ist der Satz zu einem Leitmotiv für Steinmeiers Amtsverständnis geworden, das den Bürger als aktiven Gestalter des Gemeinwesens in das Zentrum rückt.
